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Windows Server durch Linux ersetzen

Mit dem Supportende von Windows Server 2016 am 12. Januar 2027 stellen sich viele Geschäftsführer eine grundsätzliche Frage: Muss es wieder Windows sein? Neue Lizenzen, Zugriffslizenzen und der nächste Migrationszyklus in einigen Jahren sind ein guter Anlass, Alternativen zu prüfen. Doch wer Windows Server durch Linux ersetzen will, sollte nicht pauschal entscheiden, sondern jede Serverrolle einzeln betrachten.

Dieser Beitrag zeigt, welche Aufgaben Open-Source-Lösungen heute zuverlässig übernehmen, wo Einschränkungen bestehen und wo Windows weiterhin die bessere Wahl ist.

Rolle für Rolle: Was sich durch Open Source ersetzen lässt

Ein typischer Windows Server im Mittelstand erfüllt mehrere Aufgaben gleichzeitig. Die folgende Übersicht zeigt, wie realistisch der Ersatz für die einzelnen Rollen ist:

ServerrolleOpen-Source-AlternativeEinschätzung
FileserverSamba, Nextcloudgut ersetzbar
DNSBIND, Unbound, PowerDNSgut ersetzbar
DHCPKeagut ersetzbar
Webserver (IIS)nginx, Apachegut ersetzbar, außer bei älteren .NET-Anwendungen
Mailserver (Exchange)Stalwartgut ersetzbar
DruckserverCUPSbedingt, abhängig von Druckern und Verwaltung
DatenbankserverPostgreSQL, MariaDBbedingt, abhängig von der Anwendung
Domänencontroller (Active Directory)Samba als AD-kompatibler Domänencontrollerbedingt
Terminalserver (RDS)keine gleichwertige Alternativekaum ersetzbar
Windows-Fachanwendungenabhängig vom Herstellermeist nicht ersetzbar

Wo Linux Windows Server zuverlässig ersetzt

Fileserver: Samba stellt Dateifreigaben über dasselbe Protokoll (SMB) bereit wie Windows. Für Mitarbeitende ändert sich am Arbeitsplatz kaum etwas, die Netzlaufwerke sehen aus wie bisher. Wer zusätzlich mobil und von außen auf Dateien zugreifen oder Dateien extern teilen will, nutzt Nextcloud als moderne Ablage mit Synchronisation und Freigabefunktionen.

DNS und DHCP: Diese Netzwerkdienste laufen seit Jahrzehnten stabil unter Linux. Einschränkung: Solange Active Directory im Einsatz ist, bleibt der DNS für die Domäne in der Regel auf den Domänencontrollern.

Webserver: Der Großteil der Webserver im Internet läuft auf Linux. Interne Webanwendungen, die auf klassischem ASP.NET aufbauen, benötigen jedoch weiterhin Windows. Neuere Anwendungen auf Basis von .NET (ehemals .NET Core) laufen auch unter Linux.

Mail: Exchange lässt sich durch den Open-Source-Mailserver Stalwart ablösen, auf Wunsch eingebunden in Nextcloud. Wie das funktioniert und wie Postfächer und Berechtigungen übernommen werden, beschreiben wir im Beitrag Exchange ablösen: Stalwart und Nextcloud als souveräne Alternative.

Wo Open Source an Grenzen stößt

Active Directory: Samba kann als AD-kompatibler Domänencontroller arbeiten, an dem sich Windows-Arbeitsplätze anmelden und Gruppenrichtlinien beziehen. Für kleinere, überschaubare Umgebungen ist das eine Option. Im Vergleich zu einem aktuellen Microsoft-Domänencontroller gibt es jedoch Einschränkungen, etwa bei neueren Funktionsebenen, beim Abgleich der Gruppenrichtlinien zwischen mehreren Domänencontrollern und bei der Anbindung an Microsoft 365. Wer Microsoft 365 nutzt oder eine hybride Identitätsverwaltung braucht, bleibt beim Domänencontroller in der Regel bei Windows.

Druckserver: CUPS stellt Drucker zuverlässig im Netzwerk bereit. Aufwändiger wird es, wenn Drucker bisher per Gruppenrichtlinie verteilt werden oder spezielle Herstellertreiber mit Zusatzfunktionen wie Kostenstellen oder Follow-Me-Printing genutzt werden.

Datenbanken: PostgreSQL und MariaDB sind ausgereifte Datenbanksysteme. Ob sie den Microsoft SQL Server ersetzen können, entscheidet jedoch die Anwendung, die darauf zugreift. Unterstützt eine Fachanwendung nur SQL Server, ist ein Wechsel nicht möglich. Microsoft SQL Server selbst ist allerdings auch für Linux verfügbar.

Wo Windows Server bleiben sollte

Für zwei Bereiche gibt es keine realistische Alternative:

  • Terminalserver: Wenn Mitarbeitende über Remotedesktop auf Windows-Anwendungen zugreifen, ist ein Windows Server mit Remote Desktop Services weiterhin nötig.
  • Fachanwendungen: Warenwirtschaft, Buchhaltung und Branchensoftware laufen in vielen Fällen ausschließlich unter Windows. Hier entscheidet der Hersteller, nicht die IT-Strategie.

Realistisches Ziel: weniger Windows, nicht kein Windows

Für die meisten mittelständischen Unternehmen ist der vollständige Verzicht auf Windows Server kein realistisches Ziel. Sinnvoll ist ein Mischbetrieb: Rollen, die sich gut ersetzen lassen, wechseln auf Open Source, Windows Server bleibt dort, wo er tatsächlich gebraucht wird. Das reduziert die Zahl der Windows-Server, die gepflegt, lizenziert und in einigen Jahren erneut migriert werden müssen.

Bei der Kostenbetrachtung ist ein Punkt wichtig: Solange Mitarbeitende auf irgendeinen Windows Server zugreifen, etwa auf den Domänencontroller, werden weiterhin Zugriffslizenzen (CALs) benötigt. Die Einsparung entsteht vor allem bei den Serverlizenzen, bei weniger Migrationsaufwand und bei der geringeren Abhängigkeit von einem Hersteller. Dem steht der Bedarf an Linux-Know-how im Betrieb gegenüber, der sich über einen Dienstleister abdecken lässt.

Open Source in der Compose Private Cloud

In der Compose Cloud setzen wir auf einen Open-Source-First-Ansatz. Neben virtuellen Windows-Servern betreiben wir dort Open-Source-Dienste für Dateien, Mail, Telefonie und Dokumentenmanagement, darunter Nextcloud und den Mailserver Stalwart. Alle Dienste laufen in ISO-27001-zertifizierten Rechenzentren in Deutschland und werden vollständig von uns betrieben, inklusive Monitoring, Updates und Backup.

So lassen sich Windows-Server und Open-Source-Dienste auf einer gemeinsamen Plattform betreiben, ohne dass eigenes Linux-Know-how im Unternehmen aufgebaut werden muss.

Windows Server durch Linux ersetzen: So gehen Sie vor

  • Rollen erfassen: Für jeden Windows Server 2016 festhalten, welche Aufgaben er erfüllt und welche Anwendungen darauf laufen.
  • Abhängigkeiten prüfen: Welche Rollen hängen an Active Directory, an Fachanwendungen oder an Microsoft 365?
  • Kandidaten auswählen: Mit gut ersetzbaren Rollen wie Fileserver oder DNS beginnen.
  • Pilot: Eine Rolle für eine Abteilung umstellen und die Erfahrungen auswerten.
  • Schrittweise umstellen: Weitere Rollen übernehmen, die übrigen Windows-Server gezielt modernisieren.

Für die Server, die bei Windows bleiben, finden Sie in unserem Beitrag Windows Server 2016 Migration: Inplace-Upgrade oder Neuinstallation? eine Entscheidungshilfe.

Windows Server durch Linux ersetzen: Unser Fazit

Windows Server durch Linux zu ersetzen ist realistisch, aber nicht für jede Rolle. Fileserver, DNS, DHCP, Webserver und Mail lassen sich heute zuverlässig mit Open Source betreiben. Beim Domänencontroller, bei Terminalservern und bei Fachanwendungen bleibt Windows meist die bessere Wahl. Wer das Supportende nutzt, um Rolle für Rolle zu entscheiden, betreibt künftig weniger Windows-Server, senkt Lizenzkosten und wird unabhängiger von einem einzelnen Hersteller.

Wir analysieren Ihre bestehenden Server, zeigen Ihnen, welche Rollen sich sinnvoll ersetzen lassen, und übernehmen auf Wunsch den Betrieb in der Compose Cloud! Kontaktieren Sie uns gerne.


Häufige Fragen zu Linux als Windows-Server-Ersatz

Kann Linux einen Windows-Fileserver ersetzen?

Ja. Samba stellt Dateifreigaben über dasselbe Protokoll bereit wie Windows. Netzlaufwerke und Berechtigungen funktionieren für die Anwender wie gewohnt.

Gibt es eine Open-Source-Alternative zu Active Directory?

Samba kann als AD-kompatibler Domänencontroller arbeiten und eignet sich für kleinere Umgebungen. Gegenüber einem aktuellen Microsoft-Domänencontroller gibt es jedoch Einschränkungen, vor allem bei der Anbindung an Microsoft 365.

Spare ich mit Linux alle Windows-Lizenzen?

Nicht vollständig. Für jeden verbleibenden Windows Server fallen weiterhin Server- und Zugriffslizenzen an. Die Einsparung entsteht durch weniger Windows-Server und geringeren Migrationsaufwand in der Zukunft.

Welche Windows-Server-Rollen sollten bei Windows bleiben?

Terminalserver, Server mit Windows-Fachanwendungen und in den meisten Fällen der Domänencontroller, insbesondere wenn Microsoft 365 im Einsatz ist.

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